Die Texte sind entnommen aus dem Buch von Regina Stopper, 1960 in Bad Cannstatt geboren,  Studium der Kunstgeschichte, der neueren deutschen Literaturwissenschaft und Baugeschichte, Abschluss M.A., promovierte bei Prof. Dr. W. Hartmann an der Universität Karlsruhe über das Werk Luis Rauschhubers.

 


Eine reiche Sammlung an Briefen und Schriften Luis Rauschhubers befindet sich im Archiv des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. 

 

 

"Verkündigungsengel" (1960)
"Schmerzensmann" (1930)
Christuskopf (1964)
Emporschauende "In Erwartung" (1949)
"Versuchung Jesu" (1964)

Werk und Interpretation

Die Werke Luis Rauschhubers sind das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit den ideellen Werten des Menschen und mit der Religion. In ihnen offenbart sich der Wille, aus dem Erlebnis und dem Gefühl heraus die gestalterische Form entstehen zu lassen. Eine nur intellektuell konstruierte Kunst lehnte Luis Rauschhuber entschieden ab. Er sah Kunst als „erlebnisbedingten Ausdruck“, als „Ausdruck, wie man die Natur erlebt“ (Brief an Gertrud Meixner, 8. September 1942).

Alle Themen seiner Arbeit, ob Musik, Freude, Leid, Schmerz o.a., werden durch das Medium „Mensch“ dargestellt und ermöglichen so dem Beschauer eine schnelle Identifikation, was ihm von Kritikern als „Oberflächlichkeit“ vorgeworfen wurde. Doch Luis Rauschhubers eigentliche Intention bleibt nicht an der äußeren Hülle seines Werkes hängen:

"Meine Bemühung ist, in der Kunst das Symbol wieder zu finden, weil dadurch die geistige Potenz im Erlebnisbereich des Menschen gehoben und der Materialismus zurückgedrängt wird."

(Brief an Pater Heimrad Bauer, 1. Februar 1954)

Der Versuch, die menschliche Erlebnis- und Gedankenwelt sinnbildlich zu erfassen, ließ ihn unermüdlich dieselben Themen immer wieder aufarbeiten, um zu neuen Lösungen zu gelangen. So sind in seinem späten Werk, Ende der sechziger Jahre, deutlich abstrahierende Tendenzen zu erkennen. Gewänder werden stilisiert oder es wird auf sie ganz verzichtet wie in seinem letzten Werk, dem Kreuzweg in der Kapelle des Schwesternwohnheims St. Georg in Nürnberg. Hier sind Hände und Gesichter die einzigen Ausdrucksmittel zu Symbolträgern. 

Luis Rauschhubers künstlerische Handschrift ist erkennbar an der strengen, geschlossenen Form. Seine Figuren werden von blockhaften Gewändern umgeben, wodurch ein spannungsvoller Rahmen entsteht. Das Gewand selbst aber wird in der Gestaltung bewusst zurückgenommen, wodurch Hände und Gesicht besonders hervortreten.

Neben formalen Kriterien fühlte sich Luis Rauschhuber in seinem Schaffen einem ideellen Auftrag verpflichtet. 

"Wenn der schaffende Mensch heute zu seiner angespannten Arbeit einen betrachtenden und belebenden Ausgleich braucht, muss er an der schöpferischen Kraft bildender Kunst Teil haben können! (...) 
Der Mensch braucht die Kunst als Begeisterungsgrund, um sein hartes Leben meistern zu können, er braucht den geistigen und künstlerischen Impuls."

(„Vorschläge zur Neuerung kultureller Belebung“)

Er will den Menschen erreichen, ihm Freude bereiten und ihn anregen in sich hineinzuhören, sich auf das Wesentliche außerhalb des Materiellen zu konzentrieren. 

"Der Mensch hat verlernt in der Kunst zu lesen! – Er hat verlernt, daran lebendig teilzunehmen und kam dadurch vom tieferen Leben ab. Ehe wir die Kunst nicht wieder als Gemeingut (im gehobenen Sinne) betrachten können, also auch als einfache Menschen in der Lage sind, sie zu verstehen, wird der Mensch schwerlich von dieser Gleichgültigkeit und Seichtheit seines Lebens abkommen!"

(Entwurf eines Briefes an Dr. Metz, ohne Datum) 

Im Bemühen, seine Lebenseinstellung und sein religiöses Weltbild zu veranschaulichen, findet er seine eigenen Lösungen. Der auferstehende Christus wird zu seiner Leitfigur, zum Sinnbild (s)einer Hoffnung auf Erlösung. Dass Luis Rauschhuber sich nicht scheute, kritisch auch gegenüber der Kirche Stellung zu beziehen und die kirchlichen Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, ist kein Widerspruch zu seiner Religiosität. 

Was seine eigene Person anbelangte, bewertete er seine Bedeutung im künstlerischen Prozess als zweitrangig. Was für ihn zählte, war die überzeugende Gestaltung des Auftrags. Er betrachtete sich dabei lediglich als Werkzeug. In seinen Notizen für ein eventuell einmal erscheinendes Buch über sein Werk sah er für sich selbst bescheiden folgenden Wunsch als Geleitwort vor: 

"So möchte ich, dass nichts Gutes von mir gesprochen wird. Meine Leistungen in meinem Schaffen sind in den besten Fällen nur der leise Widerschein Göttlichen Willens. Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass dieses Werk für viele befruchtend sein möge."

(„Geleitwort für das Buch“)